• Sylvia

Wo sind Ecuadors Kinder?

In diesem Monat ist es nun ein ganzes Jahr, dass Ecuadors Kinder zu Hause sind. Die öffentlichen Schulen sind seit März 2020 geschlossen und nicht mehr geöffnet worden.


Fakten:

  • Es gibt in Ecuador 16.000 Schulen mit insgesamt 4.400.000 Schüler

  • nur drei Schulen in Quito erhielten bereits im Oktober 2020 die Erlaubnis als Pilotprojekt zu öffnen und hatten die meisten Schulmonate geöffnet.

  • Anfang 2021 durften 77 Schulen – mehrheitliche Privatschulen- in dem Pilotprojekt zeitweise oder im Schichtbetrieb öffnen

  • Ca. 50 Schulen mussten wegen Finanzproblem der Kriese geschlossen werden,

  • 44.000 Kinder ist die Anzahl der Kinder die alle in in Quito gezählt werden, die seit Schulschließungen keinerlei Kontakt mehr zu Schule oder Lehrer hatten.



Wir versuchen herauszufinden, wo die Kinder nun seit einem Jahr sind. Ecuador ist ein Land in dem das durchschnittliche Monatsgehalt von offizieller Stelle bei 400 Dollar angegeben wird. Und die Lebenserhaltungskosten sind hier beachtlich, nämlich gleich hoch wie in Österreich. Beide Elternteile einer Familie sind gefordert um ihre Familie zu erhalten. Wie funktioniert das, wenn die Kinder nicht betreut und nicht unterrichtet werden?



Ich habe Gespräche mit Eltern geführt, von Familien die Pan de Vida unterstütz, mit Marktfrauen, Uber-Fahrern und Volunteers. Wo sind eure Kinder, was machen sie, wie werden sie unterrichtet? Das ist ein Einblick in die Antworten (für euch übersetzt ins deutsche 😉)

„Der Staat stellt Radiounterricht zu Verfügung“ „Wie funktioniert das?“ „Es werden Lerninhalte per Radiosendungen übertragen für unterschiedliche Altersgruppen aufgearbeitet und die Kinder können diese anhören“ „Wie klappt das für eure Kinder?“ „Wir nutzen es nicht, ich kenne niemanden, der das nutzt“
„Meine ältere Tochter schaut auf meine kleine Tochter während ich und mein Mann arbeiten“. Die ältere Tochter ist an ihrem Onlinestudium dran und deshalb zu Hause.„Mein Sohn bekommt die Aufgaben der Schule online zugesendet.“ „Hat er einen Computer?“ „Nein, wir haben nur ein Handy, da kann er die Hausübungen nach schauen…. Aber er macht sie eigentlich nicht. Er bräuchte einen Lehrer der es ihm erklärt. Ich sage ihm, mach deine Aufgaben, aber er kommt nicht gut vorwärts. Kinder brauchen Lehrer, denke ich.“
Meine Frau und ich sind die ganze Woche in dem Ort in dem Wir arbeiten weg von zu Hause. Unsere sieben Kinder sind allein zu Hause in dieser Zeit. Die großen Kinder schauen auf die jüngeren. Aber sie machen es nicht so gut. Manchmal fahre ich unter der Woche mit dem Moped zu unserer Wohnung zu den Kindern für zwei Stunden und schaue auf unsere kleine Tochter. Ich rede mit den älteren Kindern, dass sie gut auf die kleine schauen müssen…. Es sind schon gute Kinder… sie sind nicht auf der Straße unterwegs wie andere. Das habe ich ihnen gesagt, ich will nicht, dass sie auf der Straße sind und Unfug treiben oder Dinge anstellen. Es sind gute Kinder, sie bleiben zu Hause.“ „Wie läuft es mit der Schule?“ „Die Schule ist zu, es gibt keine Schule“ „haben sie keinen Radiounterricht oder Onlineunterricht“ „doch die großen Kinder machen Onlinestudium!“ „Und die kleinen Kinder auch?“ „ Nein,… die Schule ist zu, es gibt keine Schule“
„Ich arbeite in einem Restaurant. Wir haben nicht viel Gäste, aber ich bin den ganzen Tag dort von morgens um 8 bis um 18 Uhr“ „Was machst du mit deinem Baby und deiner 8-jährigen Tochter?“ „Ich hab meinen Chef gefragt ob ich zumindest das Baby mitnehmen kann. Aber es geht nicht“ „Wer schaut auf deine Kinder, wenn du arbeitest?“ „.. Manchmal mein Mann, manchmal meine Mutter…es geht nicht immer“ (…Ich habe nicht weiter gefragt…, es war beklemmend… es war klar, dass die Kinder oft allein zu Hause bleiben)

Für mich sind die Einblicke in die Situation der Familien bedrückend. Die Ecuadorianer antworten immer freundlich. Die Menschen sind schon sehr viel Armut gewöhnt, sie jammern nicht. Doch die Belastung der Familien ist stark spürbar. Die Kinder sind viele Stunden oder sogar Tage nicht betreut. Älter Geschwister müssen viel Verantwortung übernehmen. Es findet kaum gezielt Bildung zu Hause statt. Und für mich ist die große Frage, wie kann es weiter gehen, was ist die Zukunft für diese Kinder?

Wir beten für kluge Ideen wie wir als Hilfswerk die Familien unterstützen können. Wir beten für die Schulöffnung in Ecuador für Zugang zu Bildung und Betreuung für alle Kinder! Wir beten dafür, dass die Familien als sichere und essentielle Umfeld für die Kinder, Unterstützungen erhalten, dass sie gestärkt werden und bewahrt bleiben.




Wir sind Daniel Metzler, Sylvia Metzler, Jakob Metzler, Olivia Metzler, Hannes Metzler.


Erfahre noch mehr über Senfkorn | Familie Metzler bei Pan de Vida in Ecuador auf


https://www.feg-dornbirn.at/willkommen/unser-team/in-ecuador/

https://www.hilfedieankommt.at/de/projekte/entwicklungshilfe/pan-de-vida

https://pandevida.org.ec/

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