• Sylvia

Persönliches Juni 2021

Aktualisiert: Sept 13

Alle ihr lieben Leute, die diesen Newsletter bekommen, wisst doch schon so einiges über uns. Dieses Mal, wollen wir euch erzählen, was vielleicht viele noch nicht wissen.


Wir sind Tante und Onkel und Cousins geworden in Ecuador! Wie das geht?

Kurz bevor wir hierhergereist sind, hat meine Schwester und ihr Freund uns die freudige Neuigkeit berichtet – ein Baby ist unterwegs. Und dann ist sie Anfang dieses Jahres zur Welt gekommen, das kleine Fräulein namens Rosalie! Das war das Wochenende, als Olivia und ich kurz davor waren, einen Flug nach Hause zu nehmen. Wir waren nur am heulen, halb vor Freude und halb, weil wir klar der Meinung sind, dass Familien bei so freudigen Ereignissen beisammen sein sollten. Es gibt einen ganzen Haufen Menschen, die wir vermissen in Österreich und wie es Hubert von Goisern so schön auf den Punkt bringt „heast as ned, wie die Zeit vergeht“.


Ja, bei den Kindern ist es uns wohl am meisten bewusst, dass die Zeit vergeht. Wir haben einen schönen Haufen von Nichten, Neffen und Gota-/Götekind, die wachsen und gedeihen, ohne dass wir in der Nähe sind. Was für ein Glück, dass uns die Eltern der Kinder gut vertreten, vor Ort.



Als Olivia dann gefragt hat, warum bleiben wir noch länger, ist mir klar die Antwort gekommen: weil wir noch nicht fertig sind mit Ecuador, mit Pan de Vida und mit unserer Arbeit hier. Seitdem hängt eine Liste in der Küche, mit allem was wir noch offen haben. Die Kinder haben fleißig geholfen die Liste zu befüllen. „Wenn wir alles abgehakt haben, fliegen wir heim, spätestens!“ War auch Olivia einverstanden.

Wir sind mehr aktiv geworden...

Die Coronaregelungen haben uns in den vergangenen Monaten immer wieder sehr herausgefordert! Ecuador ein Land in dem Menschen sich stets mit einer Umarmung begrüßten wurde ein Land voller Regeln zum Distanz halten. Für uns als Ausländer, als Fremde war es gar nicht einfach in Kontakt zu kommen und Freundschaften aufzubauen.

Ich bin überzeugt, dass soziale Nähe gesund und für eine gute Entwicklung der Kinder umbedingt notwendig ist!


Da es immer wieder verunmöglicht wurde sich in der Kirche zu versammeln haben wir begonnen an den Sonntagen Menschen in unser Haus einzuladen, um Gottesdienst zu feiern.




Da die Schule so viel Wochen nur mehr online war, haben wir immer wieder die Freunde der Kinder auch für Schule in unser Haus eingeladen. Ich habe begonnen jeden zu umarmen der es nötig hat ob mit Maske oder ohne!

Wir haben keine Angst vor Kontakten, weil wir gemerkt haben, wie einsam und arm es uns macht, wenn wir keine Kontakte haben.



So darf ich euch berichten, dass wir hier liebe Freunde gefunden haben, mit denen wir gemeinsam Zeit verbringen, über Gott und die Welt sprechen, füreinander kochen, miteinander in der Bibel lesen, singen, die Kinder gemeinsam spielen. Wir sind sehr dankbar für all diese Begegnungen.



Wir erleben Momente, die uns überfordern und nicht loslassen


Es ist schön, diesen Newsletter zu schreiben, die Fotos durchzublättern und zu sehen, was alles geschehen ist, wie Gott führt, wie reich die Zeit für uns ist.

In unserem Gedächtnis sind aber auch Momente, von denen wir euch kein Foto zeigen können, von Geschichten, von denen wir nicht wissen, wie sie weitergeschrieben wurden.

Ein solcher Moment, der mir nicht aus dem Gedächtnis geht, ist vor ein paar Wochen geschehen. Es war absolute Ausgangssperre für das Wochenende angesagt. Und ich bin am Freitagabend noch mit den Jungs einkaufen gefahren, um uns für das Wochenende gut zu versorgen. Bei der Hinfahrt war wahnsinnig viel Verkehr, denn auch andere hatten die gleiche Idee. Mitten in dem Gewimmel von Autos sahen wir eine ganze Familie auf einer Verkehrsinsel stehen und um Almosen bitten. Sie waren wohl schon viele Stunden dort auf dem schmalen Streifen, zwei kleine Kinder schliefen auf dem schmutzigen Gras den Kopf auf Plastiktüten. Diese Mittellosen Familien leben in extremer Armut. Und sie waren von den aktuellen Regelung mit Ausgangssperre in die Enge getrieben, denn wenn bei 1,50 Dollar Einkommen pro Person per Tag, zwei Tage wegfallen, ist das verheerend. Doch wir fuhren auf der anderen Seite an ihnen vorbei. Bei der Rückfahrt wollten wir ihnen Lebensmittel mitbringen.





Als wir das Einkaufgeschäft voll bepackt mit Lebensmittel verließen, war es schon am Dämmern. Wir packten Brot und Obst in eine separate Tüte, bereit es der Familie zu geben. Und dann fuhren wir zurück. Inzwischen war es ruhig geworden auf der Straße. Wir waren ziemlich spät dran. Und als wir näher zu der Stelle kamen, war die Familie auch gegangen. „Wo die wohl schlafen?“ fragte Jakob. „Ich hab‘ kein Ahnung“…ich wusste es einfach nicht. Ich fuhr langsam, doch auch in der Nähe war niemand zu sehen. Inzwischen war es schon richtig dunkel und höchste Zeit heimwärts zu fahren. Ich war irgendwie auch froh, nicht mehr am Straßenrad stehen bleiben zu müssen. Die Gerüchte über Überfälle gerade auch auf Autos häuften sich in letzter Zeit. Also fuhr ich weiter. Und da sah ich im Rückspiegel, ganz in der Nähe von der Stelle in der Mitte des Kreisverkehrs, dass jemand wohl mehrere Plakate von der Präsidentschaftswahl zusammengetragen hatte. Es sah aus wie ein kleines Gehege mit einem Plakat als Deckel. Und genau in dem Moment hob sich das Plakat, das den Deckel bildete. Und ich sah ein kleines Gesicht raus schauen. Ein Kind jünger als Hannes, mit verzuseltem Haar. Und dann duckte es sich wieder unter den Verschlag. Ich fuhr weiter. „Sie schlafen mit ihren kleinen Kindern im Kreisverkehr unter den Wahlplakaten.“ Schoss es mir. Ich war erschrocken, musste auf den Verkehr achten, auf die Ausfahrt und ich fuhr weiter. Ich habe nichts gemacht…und daran muss ich oft denken.

Ich hab sie auch an anderen Tagen nicht mehr gesehen…konnte sie auch nicht wiedererkennen unter all den Menschen die um Hilfe bitten auf Quitos Straßen.

Immer wieder erleben wir uns in solchen Momenten der Überforderung und ich bete, dass uns auch in Zukunft jede einzeln Situation berührt. Dass wir nicht abstumpfen, und dass wir lernen gut zu entscheiden und zu handeln!



Wir sind Daniel Metzler, Sylvia Metzler, Jakob Metzler, Olivia Metzler, Hannes Metzler.


Erfahre noch mehr über Senfkorn | Familie Metzler bei Pan de Vida in Ecuador auf


https://www.feg-dornbirn.at/willkommen/unser-team/in-ecuador/

https://www.hilfedieankommt.at/de/projekte/entwicklungshilfe/pan-de-vida

https://pandevida.org.ec/

135 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Blogbeitrag